Hörgeräteversorgung für rumänische Dorfkinder

Annette Lehker vom 23.6. – 26.6.2018 in Harghita

Die Vorsitzende unseres rumänischen Partnervereins, die Sprachtherapeutin Katalin Gal, hatte im November 2017 berichtet, wie schwierig es ist, die Hörgeräte von Kindern in ländlichen Gebieten Rumäniens instand zu halten und die Batterieversorgung sicherzustellen. Vom 23. bis 26. Juni 2018 war ich vor Ort.

Die Anreise war etwas chaotisch. Der Flughafen Targu Mures war entgegen der Ansage der Fluggesellschaft nach Renovierung nicht wieder geöffnet. Deshalb kam eine längere Autofahrt vom alternativen Flughafen Cluj zu meinem eigentlichen Ziel hinzu. Die Region Harghita liegt im ungarisch-sprachigen Teil Rumäniens in den Ostkarpaten etwa 120 km nördlich von Braşov (früher: Kronstadt). Die schöne Landschaft, umgeben von den Bergen des Harghita Gebirges, wird von Rumänen Sommer wie Winter gern als Urlaubsziel genutzt.

Am ersten Arbeitstag war alles perfekt vorbereitet von Katalin. Eine Lehrerin, die perfekt Deutsch mit österreichischem Akzent spricht, da sie einige Jahre dort gelebt hatte, unterstützte uns als Dolmetscherin.  Am zweiten Arbeitstag übernahm der Dorfpfarrer die Arbeit als Dolmetscher. Er verbringt seit einigen Jahren regelmäßig einige Wochen in Deutschland als Urlaubsvertretung eines Gemeindepfarrers.

Ich konnte zunächst bei sieben Kindern Hörtests machen, die Hörgeräte kontrollieren, kleinere Reparaturen sofort ausführen, oder auch Abformungen der Ohren für notwendige neue Ohrpassstücke nehmen. Am folgenden Montag stellten sich noch einmal sechs Kinder für diese Arbeit vor.

Schnell wurde deutlich, dass die technische Hilfe zwar notwendig, für die Eltern der Kinder eine genaue Erklärung der Hörsituation ihrer Kinder aber ebenso wichtig war. Alle Eltern haben durchblicken lassen, dass sich in den Kliniken keine Zeit genommen wird, die Hintergründe einer Diagnose zu erklären und einen Weg für die Zukunft aufzuzeigen. Die Eltern hatten mir Audiogramme zum Vergleich mitgebracht, so dass ich anhand meiner eigenen Messungen erkennen konnte, dass in den Kliniken gute Diagnosen gestellt werden. Aber den Familien wird dieses Ergebnis nicht erklärt. Damit bleiben Unsicherheiten darüber, wie die Eltern Ihr Kind in Zukunft am besten unterstützen können. Meine Erläuterungen und Hinweise wurden deshalb dankbar angenommen.

 Ein weitere Schwierigkeit für die Eltern ist im ländlichen Raum Rumäniens ist die Sicherstellung der regelmäßigen Wartung und Reparatur der Hörgeräte. Außerdem müssen wachstumsbedingt die Ohrpassstücke immer wieder erneuert werden. Andernfalls kommt es bei Hörgeräten zu Rückkopplungsgeräuschen und damit zu schlechtem Verstehen. Ziel meines Besuches war daher auch, abzuklären, ob und wie regelmäßige Besuche eines Audiologen aus der Stadt für diese Arbeiten zu organisieren sind und wie diese Arbeit finanziert werden kann. Für diese Gespräche war Bianca, eine Sprachtherapeutin aus Braşov und ebenfalls Mitglied des Vereins, am Sonntag angereist. Wir nutzten ein gemeinsames Mittagessen für diese Besprechung.

Für Sonntagnachmittag hatte Katalin für uns eine Fahrt durch die wunderschöne Gebirgslandschaft vorbereitet. Wir haben diese Fahrt bei strahlendem Sonnenschein genießen können. Am Abend verwöhnte mich Katalins Familie mit lokalen Spezialitäten am Abendbrottisch.

Dienstag am späten Nachmittag startete mein Rückflug nach Dortmund, diesmal von geplanten Flugplatz. Katalin fuhr mich zum ca. 150 km entfernten Flughafen nach Targu Mures. Auf der Fahrt dorthin hatten wir noch Zeit, in Plaidt eine Salzgrotte zu besichtigen. Die Gewölbe dort sind so groß, dass dort ein ganzer Freizeitpark mit Sport- und Unterhaltungsprogramm hergerichtet existiert. Klettergarten, Tischtennisplatten, Kaffeestand, angeleitete Gymnastikübungen in der Gruppe – alles in gesunder salzhaltiger Luft unter der Erde. Übrigens wurde man mit in Bremen ausrangierten BSAG Bussen zur Grotte gefahren.

Vielen Dank an Katalin Gal für den herzlichen Empfang, die Betreuung, die gute Organisation und das Rahmenprogramm.

Nun wird sich in den nächsten Monaten zeigen, ob die Hilfe zu Selbsthilfe langfristig gelingt.

Annette Lehker
Hörakustikmeisterin und Pädakustikerin

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