2 Benefizkonzerte in der Borgfelder Kirche in Bremen

Ein ganz besonderes Konzert

Durch den Stadtteilkurier erfuhr ich von dem Benefizkonzert in der Borgfelder Kirche am letzten Sonnabend.
Veranstalter war der Förderverein Perspektive für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern e.V.
Schon das Programm erschien uns besonders. Sonaten von Mozart und Bach rahmten das Hauptprogramm ein. Musik der französischen Impressionisten Ravel, Ibert und Debussy.

Angekündigt war das Konzert mit Harfe und Flöte auch als ein „etwas anderes Konzert“. Hörgeschädigte Jugendliche sollten durch das Programm führen.

Wir waren neugierig auf das Konzert und saßen gespannt am Nachmittag in der Borgfelder Kirche. Für 16 Uhr war das Konzert für Kinder angekündigt, am Abend für große Leute mit erweitertem Programm. Was wir hörten und erlebten übertraf unsere Erwartungen. Wir hörten wunderschöne Musik professionell dargeboten von der Harfenistin Eva Pressl und der Flötistin Sigrun Busch.

Das Besondere an diesem Konzertnachmittag war die Führung durch das Konzert. Mara, Vanessa, und Simon, 13, 15 und 16 Jahre, alt berichteten über die Komponisten und die Musikstücke. Sie erreichten, dass auch wir, als nicht so geübte erwachsene Konzertbesucher, beim Hören z.B. von Ravels Pavane für eine verstorbene Prinzessin eine Vorstellung in uns entwickeln konnten.

Ganz besonders gefiel uns, wie die Histoires, die kleinen musikalischen Geschichten von Ibert für uns Zuhörern vorbereitet wurden. Kurze Ausschnitte wurden vorher angespielt, z.B. das Gewackel der goldenen Schildkröten, das Getrappel des kleine weißem Esels, die Unke im Keller des traurigen Hauses und das Wasser, das aus dem Krug der Verkäuferin schwappt.

Während die Histoires dann von der Harfe und der Flöte gespielt wurden, erschienen Skizzen passend zu den Musiktiteln an der Leinwand. Eine kleine Wasserverkäuferin kam persönlich mit ihrem Wasserkrug. Rührend war Philippa, die als Infantin Margarita von Spanien, die Pavane lebendig werden ließ.

Es war ein „besonderes Konzert“, das wir sehr genossen haben… für uns ganz persönlich war es auch ein „ganz besonderes Konzert“. Warum?

Unser kleiner Sohn Theo ist heute 4 Monate alt. Kurz nach seiner Geburt erhielten wir die Diagnose „An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit“. Der Diagnoseschock ist immer noch nicht überwunden. Was wird werden? Nicht hören können, was bedeutet das? Keine Lieder keine Musik, Mamas Stimme nicht hören, keine Kommunikation mit uns, mit den Großeltern… Natürlich haben wir uns informiert über moderne Hörtechnologie und setzen unsere Hoffnungen darauf. Aber Theos Hörgeräte hinter seinen kleinen Ohren machen uns traurig. Wir warten auf Hörreaktionen.

Nun waren wir im Benefizkonzert, und es war auch ein Benefizkonzert für mich und meine Mutter, die mich begleitete. Ich habe Mara, Vanessa und Simon gehört und erlebt, die von Geburt an gehörlos sind und mit Cochlea Implantaten hören. Ich glaube niemand hätte bemerkt, dass die drei Jugendlichen hörgeschädigt sind, so normal und locker haben sie sich vorgestellt, durch das Konzert geführt und anschließend sich mit den Zuhörern unterhalten. Die Begegnung mit ihnen hat mich entlastet und Mut gemacht. Am Abend habe ich Theo im Arm gehalten und ihm erzählt, dass er auch hören und sprechen lernen wird und mit mir später in ein Kinderkonzert besuchen wird.
Wir sind dankbar für die Perspektive, die unser Theo in diesem Land hat, und ich bin sehr dankbar für das „ganz besondere Konzert“.

Simone Hegner

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